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Pressespiegel

Wird Sinzig zur reinen Wohn- und Schlafstadt?

Beitragsbild Wird Sinzig zur reinen Wohn- und Schlafstadt?

Stellungnahme zur geplanten Veränderung der Verkehrsführung in der Innenstadt von Sinzig

Gut ein Jahr ist es her, als seitens FDP-Ratsfraktion im Ausschuss für Stadtentwicklung, Kultur, Sport und Soziales der Antrag gestellt wurde, zur Prüfung, ob und unter welchen Voraussetzungen der Marktplatz für den fahrenden Verkehr gesperrt werden kann, um diesen Platz zu einer lebendigen Oase zu entwickeln.
Anfang Februar wurde in dem Ausschuss ein Verkehrskonzept präsentiert, das auch Ideen für die Ausgestaltung des Markt- und Kirchplatzes beinhaltet.
Und dieses sieht zwei Varianten vor. So wird unter anderem angeregt, für den Marktplatz verkehrsberuhigte Bereiche zu schaffen, womit ein regulärer Durchgangsverkehr nicht mehr zulässig wäre. Die zweite Variante ist eine Ergänzung der ersten und schlägt vor, die Bachovenstraße zusätzlich als Fußgängerzone auszuweisen und für den Durchgangsverkehr zu sperren.

Um die Bürger in die Entscheidungsfindung einzubeziehen, hat die Gesellschaft für Entwicklung, Wiederaufbau und Innovation (Gewi) eine Onlinebefragung gestartet. Bis Ende März hatten die Sinziger die Möglichkeit, sich daran zu beteiligen.

Allerdings hatte Reiner Friedsam, Ortsvorsteher der Kernstadt, bereits in der Sitzung des Haupt- und Umweltausschusses Anfang März kritisiert, dass darin mit nur einer Frage zur Fußgängerzone dieses Thema nicht ausreichend berücksichtigt worden sei.

Und während sich Bündnis 90/Die Grünen für eine umfassende Fußgängerzone stark macht, die Brunnen-, Markt- und Kirchplatz verbinden soll, regt sich schon jetzt unter den dortigen Gewerbetreibenden Widerstand berichtet die Rhein-Zeitung am 11.04. in ihrer Printausgabe. So hat sich Ramon Vallazza, Inhaber des Cafés am Markt und der Sinziger Eismanufaktur, mit einer ausführlichen Stellungnahme an Bürgermeister Andreas Geron und die Sinziger Kommunalpolitik gewandt.
„Ist es politisch gewollt, dass sich Sinzig perspektivisch zu einer reinen Wohn- beziehungsweise Schlafstadt entwickelt, deren wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben zunehmend in größere Städte wie Bonn oder Koblenz abwandert?“, heißt es unter anderem in dem Schreiben. welches der FWG Sinzig vorliegt:
Im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion über die weitere Verkehrsberuhigung und mögliche Erstellung von Fußgängerzonen in der Sinziger Innenstadt möchte ich folgende Punkte zur Klärung und Überlegung einbringen:

1. Ziel und Zweck der geplanten Maßnahme

Zunächst stellt sich die grundlegende Frage nach dem konkreten Zweck der vorgesehenen Veränderungen.
Wozu dient die Einrichtung einer Fußgängerzone in Sinzig? Eine Fußgängerzone ist in der Regel dann sinnvoll, wenn ein hohes Fußgängeraufkommen besteht und der Fahrzeugverkehr eine Gefährdung oder erhebliche Behinderung für die Fußgänger darstellt. In solchen Fällen wird der Verkehr bewusst eingeschränkt, um die Sicherheit und Aufenthaltsqualität für Fußgänger zu erhöhen.
Vor diesem Hintergrund ist zu klären:
● Besteht aktuell in der betroffenen Zone eine solche Problemlage?
● Gibt es belastbare Zahlen oder Beobachtungen, die eine zusätzliche Sperrung rechtfertigen?
● Welches konkrete Ziel verfolgt die Stadt Sinzig mit dieser Maßnahme?
Ohne eine klare Zieldefinition entsteht der Eindruck, dass es sich weniger um eine notwendige Maßnahme als vielmehr um eine theoretische oder ideologisch geprägte Idee handelt.

2. Rückblick auf frühere Verkehrsberuhigungsmaßnahmen

Es sollte zudem berücksichtigt werden, dass bereits vor etwa 40 Jahren umfangreiche Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in Sinzig initiiert wurden.

Damals wurde durch politische Entscheidungen (zunächst durch Teile der SPD, später unterstützt durch weitere Akteure) das Ziel verfolgt, die Innenstadt deutlich zu beruhigen.
Zu dieser Zeit war Sinzig ein wirtschaftlich starkes und lebendiges Zentrum:
● die Mühlenbachstraße
● der Marktplatz
● die Bachovenstraße
● die Koblenzer Straße
● sowie die Ausdorfer Straße bis zur Ampel
waren durchgehend belebt und geprägt von einem vielfältigen Einzelhandel. Kunden kamen nicht nur aus den umliegenden Orten, sondern auch aus Städten wie Bad Neuenahr, Niederbreisig und Remagen, um in Sinzig einzukaufen.
Mit der Verkehrsberuhigung hat sich dieses Bild schlagartig und nachhaltig verändert. Heute zeigt sich eine, um es mit einem Euphemismus zu umschreiben, deutlich reduzierte Geschäftsdichte, und die verbliebenen Betriebe kämpfen zunehmend ums wirtschaftliche Überleben.

3. Auswirkungen konkreter verkehrspolitischer Entscheidungen

Ein besonders prägnantes Beispiel ist die Umkehrung der Einbahnstraßenregelung in der Koblenzer Straße.
Diese Maßnahme hatte innerhalb kurzer Zeit gravierende Folgen:
● Innerhalb eines Jahres schlossen nahezu alle dort ansässigen Geschäfte.
● Zahlreiche wirtschaftliche Existenzen gingen verloren.
● Eine nachhaltige Nachnutzung der Ladenlokale blieb weitgehend aus.
Diese Entwicklung sollte bei zukünftigen Entscheidungen zwingend berücksichtigt werden, um vergleichbare negative Effekte zu vermeiden.

4. Öffentlicher Personennahverkehr und Erreichbarkeit der Innenstadt

Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Führung des öffentlichen Nahverkehrs.
Im Gegensatz zu vielen anderen Städten wurde der Busverkehr in Sinzig weitgehend um das Zentrum herum geleitet. Zentrale Haltestellen, insbesondere am Marktplatz sowie an der Ausdorfer Straße, wurden aufgegeben.
Die Folgen:
● Deutlich geringere direkte Erreichbarkeit der Innenstadt
● Rückgang der Besucherfrequenz
● Abwanderung potenzieller Kunden in besser erreichbare Einkaufs Standorte
Diese Entwicklung hat die wirtschaftliche Attraktivität der Innenstadt zusätzlich geschwächt.

5. Zukunftsperspektive: Attraktivitätssteigerung statt weiterer Einschränkungen

Aus wirtschaftlicher und städtebaulicher Sicht sollte der Fokus weniger auf zusätzlichen Einschränkungen, sondern vielmehr auf einer aktiven Stärkung der Innenstadt liegen.
Hierzu gehört insbesondere:
● die Entwicklung und Umsetzung eines professionellen, ganzheitlichen Marketingkonzepts durch ausgewiesene Fachleute, die in der Lage sind messbare Erfolge nachzuweisen.
● die gezielte Aufwertung und aktive Vermarktung vorhandener touristischer Potenziale, die bislang unzureichend genutzt werden
● die konsequente Vereinfachung von Genehmigungs- und Eröffnung Prozessen für neue Geschäfte, um Ansiedlungen aktiv zu fördern und eventuell eine Reduzierung der Gewerbesteuer.
● die Schaffung zusätzlicher Attraktivität durch ausreichend verfügbare Parkmöglichkeiten, statt restriktiver Kontrollen bei geringfügigen Überschreitungen und leeren Parkplätze.
Grundsätzlich zeigt die Erfahrung (und dies lässt sich in zahlreichen Städten beobachten), dass zunehmende Einschränkungen der Erreichbarkeit zu einem Rückgang der Besucherfrequenz führen. Kaufkraft verlagert sich in diesem Fall regelmäßig an Standorte „auf der grünen Wiese“, während Innenstädte wirtschaftlich an Bedeutung verlieren.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage:
Ist es politisch gewollt, dass sich Sinzig perspektivisch zu einer reinen Wohn- bzw. Schlafstadt entwickelt, deren wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben zunehmend in größere Städte wie Bonn oder Koblenz abwandert?
Bereits heute ist eine entsprechende Tendenz erkennbar: Viele Einwohner pendeln, verbringen ihren Alltag außerhalb und nutzen Sinzig primär als Wohn- bzw. Schlafort.
In diesem Zusammenhang sei auch auf einen grundlegenden Aspekt hingewiesen: Der Bedarf an Ruhe- und Erholungszonen ist bereits erfüllt. Mit dem Park am Barbarossa Schloss und an der Kirche stehen in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt, in weniger als 100 Metern Entfernung, hochwertige und geeignete Rückzugsräume zur Verfügung.
Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht zielführend, zusätzliche Einschränkungen gerade in den Bereichen zu schaffen, in denen wirtschaftliches Leben stattfinden muss.

Fazit

Unter Berücksichtigung aller genannten Punkte sollte vor der Umsetzung weiterer verkehrsberuhigter Maßnahmen eine umfassende, faktenbasierte und wirtschaftlich orientierte Gesamtbewertung erfolgen.
Insbesondere sind folgende Fragen abschließend zu klären:
● Welches konkrete Ziel wird verfolgt?
● Welche messbaren Vorteile ergeben sich daraus?
● Welche wirtschaftlichen Auswirkungen sind zu erwarten?
● Welche Lehren wurden aus desaströsen vergangenen Entscheidungen gezogen?
● Welche alternativen Maßnahmen zur Stärkung der Innenstadt wurden geprüft?
Eine weitere Einschränkung ohne klaren, nachweisbaren Nutzen birgt das erhebliche Risiko, die bestehende strukturelle Schwächung der Innenstadt weiter zu verstärken. Dies bestätigen alle Geschäftsleute. Jedes Mal beim Aufbau von Buden für Veranstaltungen wird die Bachovenstraße gesperrt und die Umsätze fallen praktisch auf null.
Wurde der tatsächliche Wille der Bürger hierzu überhaupt erhoben? Oder ist das die Weiterführung der Meinung des Herrn Kroegers, dass die Stadtmitte von Sinzig am Bahnhof liegt? Denn das wäre die Konsequenz.